Elf-Meter-Mast statt Bonsaibaum

Krommerter stellen Maibaum auf/Gildezeichen und alte Schule gemalt

RHEDE-KROMMERT (sh). Die Idee entstand in geselliger Runde. Vergangenes Jahr saßen Werner und Barbara Nachtigall, Norbert Rottbeck und Alfons Seggewiß bei Enck im Biergarten und lästerten. Ihr Spott galt dem Mini Maibaum, maibaum, der in kaum drei Meter Höhe schon wieder zu Ende war. "Dat Bonsaibäumchen von einem Maibaumimitat, dat mutt wech", befanden die Krommerter und beschlossen: "Da mutt' ne richtigen Maiboom dran." Den bekommen die Krommerter nun auch. Morgen stellen Nachtigall, Rottbeck, Seggewiß und ihre Mitstreiter ihr Werk auf.
Die Idee vom Maibaum fand bei Bekannten der drei Initiatoren regen Zuspruch. Das traf sich gut, denn: "Wir brauchten noch ein paar Spezialisten", blickt Werner Nachtigall zurück, der selbst sein Wissen als Schreiner beisteuerte. So kam zum Beispiel Bernhard Schmeing als Fachmann für die Edelstahlarbeiten dazu. Georg Enck pinselte an den Gildezeichen mit und sorgte dafür, dass das Wachsen des Maibaums im Internet auf der Krommerter Homepage dokumentiert wurde. Eine ganze Truppe Helfer werkelte mit und investierte rund 420 Arbeitsstunden.
Auf ihren ersten Maibaum sind die Krommerter schon jetzt stolz. Der ist "das schönste Ding im ganzen Kreis Borken", sagt Nachtigall im Brustton der Überzeugung - und seine Mitstreiter nicken zustimmend. Noch liegt der blauweiße Mast mit den Symbolen für die verschiedenen Handwerksberufe in der Halle von Werner Nachtigall. Morgen soll er nun aufgestellt und der Öffentlichkeit präsentiert werden. Den Transport haben die Männer gestern vorbereitet und den Maibaum auf einen Hänger verladen. Ein historischer Trecker zieht ihn dann die paar hundert Meter bis zur Gaststätte Enck.
"Wir haben erst überlegt, ihn zu tragen", sagt Alfons Seggewiß, "doch das wäre wohl etwas schwer geworden." Denn der Maibaum bringt es auf stattliche elf Meter. Im Vergleich zu den 30 Meter hohen Exemplaren in Bayern sei das zwar nicht viel, sagt Georg Enck. Doch für Krommert schon ganz in Ordnung. Und überhaupt seien die Bäume in Bayern auch viel größer als hier in der Gegend, fügt Nachtigall hinzu.
Als Grundlage für den Krommerter Maibaum dient eine 41 Jahre alte Lärche ("Wir haben die Jahresringe gezählt"). Ein "schöner alter Baum" lobt Seggewiß. Dieses Exemplar haben die Maibaum-Bauer im Dämmerwald bei einem Holzfäller gefunden. Eine Lärche sollte es sein, weil deren Holz haltbar ist und "weil wir nicht jedes Jahr so ein Ding bauen wollen" - auch wenn die Arbeit viel Spaß gemacht habe, wie Nachtigall versichert.
Mit dem Baumstamm fing vor etlichen Wochen die Arbeit an. Die Lärche musste geschält und dann mit den typischen blau-weißen Farben versehen werden. Viel Arbeit bereiteten auch die zwölf Holzschilder, die den Maibaum schmücken. Ganz unten links ist die Krechtinger Pius-Kirche zu sehen, auf der anderen Seite die alte Krommerter Marienschule. Als Vorbild diente ein Foto aus den 50er Jahren, sagt Georg Enck.
Als Berufe vertreten sind der Wirt, für den das Fass mit der fein gezeichneten Maserung steht; ein Kuhkopf mit Schlachterbeil symbolisiert den Metzger, für den Tischler stehen Hobel, Zirkel und Lötbeil. Der Jäger ist vertreten, der Installateur, Holzfäller, Zimmerer, Maurer, Dachdecker und der Landwirt mit einem alten Pflug. Für die Gewerke haben sich die Krommerter alte Vorlagen gesucht und kopiert. Dabei waren die Männer selbst überrascht. "Wir hätten uns allen diese künstlerischen Fähigkeiten nicht zugetraut", räumt Georg Enck ein. Auch auf Details haben die Männer nicht verzichtet. Zum Beispiel ziert ein kleiner Hahn den Kirchturm. "Den habe ich Karfreitag noch raus geflext", sagt Alfons Seggewiß.
Oben am Maibaum thront ein Kranz mit einem Durchmesser von knapp zwei Metern. Den Kranz haben die Frauen der Maibaum-Bauer geflochten, allerdings aus Kunstgrün - damit nicht nach ein paar Wochen Tannengrün herunterrieselt. Aufgestellt wird der Krommerter Maibaum am morgigen Freitag um 18 Uhr an der Gaststätte Enck. Dort soll der blauweiße Mast mit Kranz, Gildezeichen und Rheder Wappen künftig das ganz Jahr stehen bleiben. "Als Zeichen von Gemeinschaft", sagt Werner Nachtigall. Und da passe es "wie Faust aufs Auge", dass die Krommerter Vereine jetzt einen Teil der alten Schule zur gemeinsamen Nutzung bekommen sollen. . .
© Bocholter-Borkener Volksblatt      
veröffentlicht am: 24.04.2003      im Ressort: Rhede

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